Als Toilettenpapier noch gesellschaftsfähig war

von Sandra Arentz

Hüterin der Klorolle - ein gewichtiger Job

Dieser Kult ist heute passé, was vielleicht auch an den mittlerweile eher seltenen Hutablagen liegen mag, oder?

Gab es eigentlich Zeiten, in denen eine akute Klopapier-Knappheit geherrscht hat? Etwa in den 60igern und 70igern? Ich erinnere mich leider nicht. Aber es muss irgendwie ein Zusammenhang bestehen zwischen den in kunterbunten Farben und kunstvoll gehäkelten Klorollen-Puppen auf PKW-Hutablagen und einer Knappheit... Scheinbar jeder, der etwas auf sich hielt, fuhr eine solche Dame auf der Hutablage spazieren. Unter dem Rock der Guten war dann liebevoll das Toilettenpapier „versteckt“. Natürlich wusste jeder, was man für alle sichtbar mit sich herumfuhr… Was man nicht sehen konnte war die Qualität des Papiers – zweilagig, dreilagig, flauschig oder eher „Schmirgelpapier“? Egal, man setzte ein Zeichen – für alle gut sichtbar und immer zum Einsatz bereit.

Auch wir hatten damals eine solche Dame. Von meiner Tante liebevoll gehäkelt und von meinem Vater ganz selbstverständlich in unserem Ford Granada auf der breiten Hutablage drapiert. Und so fuhren wir dann in den Urlaub und begegneten vielen anderen Damen, die stolz aus dem Heckfenster schauten und bei Bedarf sofort ihren Rock lüfteten. Neben dieser „Dienstleistung“ konnte man auch wunderbar mit ihnen spielen und sich die Langeweile auf der Fahrt vertreiben.

Und was machen wir heute? So ganz ohne Not-Klopapier? Ich bin mir sicher, dass die eine oder andere Rolle in Kofferräumen oder Handschuhfächern herumgefahren wird – versteckt vor neugierigen Blicken. Oder „getarnt“ als Zewarolle :-) - aber immer zum Einsatz bereit.

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