Die digitale Revolution ist vorbei! Fasten 4.0

von Sandra Bocks

Digitale Revolution und Medienkompetenz

Baaam! Das hat gesessen. Anitra Eggler eröffnet ihren Vortrag „Vom Handy versklavt, von e-Mails getrieben? Die Digitaltherapie für mehr Arbeitsspaß und Lebenszeit“ mit der These: „Die digitale Revolution ist vorbei!“

Moment mal: Neulich noch auf einem Kongress zur Digitalisierung gewesen, eben noch einen Artikel zum Aufholbedarf in Deutschland gelesen, und jetzt das? – PAUSE – [Sie lesen gerade nichts, weil ich denke…]

Anitra Eggler verspricht uns Digitaltherapie und zeigt erst einmal die gängigen Krankheiten des homo ditigalis (damit meint sie das durchdigitalisierte „Update“ des homo sapiens) auf:

1.) E-Mail-Wahnsinn
[ah, da war ja dieses Vorhaben, die wichtigste Aufgabe des Tages erst zu erledigen und dann ins Postfach zu schauen…macht das wohl doch Sinn!?]

2.) Sinnlos-Surf-Syndrom
[das hört sich echt nicht schön an, Prokrastinieren ist da viel erhabener!]

3.) Meeting-Malaria & Präsentations-Pest
[aka “betreutes Lesen”, wie Frau Eggler es nennt – hahaha…oh: Stimmt!]

4.) Sklaven-Phonitis
[Himmel, wer ruft denn in diesem Moment an: Ich schreibe!…Äh, ich guck nur mal schnell, wer in der Leitung ist…]

So, da bin wieder – und wo war ich noch gleich stehen geblieben? Ach ja, genau bei diesem Problem: Dass die Dienstbeflissenheit des homo digitalis ihn dazu bringt, im permanenten Sondereinsatz bereitwillig die Dienstwaffen „Smartphone“ oder „Tablet“ zu zücken, um sich von seiner eigentlichen Aufgabe ablenken zu lassen, weil mit jedem Klingeln und Vibrieren vor Vorfreude eine Dopaminwelle den Körper flutet und kurzzeitiges Glück verspricht.

Das alles ist eine schlechte Diagnose. Und irgendwie fühlt sich jeder im Raum ein bisschen angesprochen. Wie sieht nun die Lösung aus? Am Schluss geht es um eins: Medienkompetenz! Jeder von uns als Individuum muss für sich ausloten, wie viele Dopaminduschen er sich am Tag gönnen möchte, wieviel Prokrastination erlaubt ist und wieviel völlig unwichtige News und Lifehacks er lesen oder sehen will. Wir als Dienstleister haben schlussendlich den Auftrag zu bewerten, welche Kommunikation über welchen Kanal wirklich erfolgreich sein kann, um diese dann für unsere Kunden sinnvoll und aufmerksamkeitsstark umzusetzen.

Damit wir uns darauf voll und ganz konzentrieren können, tauchen wir jetzt mal ab: Eine Kollegin lässt sich bei What’s App nicht mehr in die Karten gucken und behält für sich, wann sie online ist oder war. Die andere Kollegin erfreut sich an einer kleinen Box, in der alle Handys verschwinden, sobald die Meetingglocke bimmelt – und ich habe meiner Lautlos-Einstellung am Smartphone den Vibrationsalarm geklaut. Ja, und ich erledige die wichtigsten 1-2 Dinge des Tages nun vor dem ersten Öffnen des Mail-Postfachs.

Was folgt der Revolution? Die digitale Evolution. Der kompetente Umgang mit den vielen Möglichkeiten. Ha! Ich bin bereits auf dem Weg dorthin, denn „digital detox“ finde ich großartig. Nun freue ich mich still und heimlich, dass ich mein Fastenziel schon erreicht habe – fast ohne es zu merken. Und Sie?

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